Sôngsang und Hyôngsang

Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine ewige Macht und göttliche Majestät sehen und erfahren können. Sie haben also keine Entschuldigung.
— Römer 1.20

Wie bereits erläutert, ist es sinnvoll, die Eigenschaften Gottes zu studieren, da wir als sein Abbild geschaffen wurden und ihm somit ähneln. Wenn wir also besser verstehen, wer Gott ist, verstehen wir letztendlich auch uns selbst und unsere Rolle in dieser Welt tiefer.


Vereinfacht gesagt lässt sich die Welt in zwei Bereiche unterteilen: einen unsichtbaren und einem unmittelbar sichtbaren. Während wir die sichtbare Welt mit unseren Sinnen direkt erfahren, erschließen wir die unsichtbare Welt, indem wir die Zusammenhänge und Beziehungen erkennen, die sich durch unsere Sinneswahrnehmungen zeigen. Wir erinnern uns zunächst daran, dass Gott die Welt und den Menschen als sein Abbild geschaffen hat. Außerdem sind wir davon ausgegangen, dass Gott der alleinige Ursprung aller Existenz ist. Somit beinhaltet Gott, obwohl er unsichtbar ist, beide Bereiche, den unsichtbaren, als auch den sichtbaren.

In der Vereinigungstheorie wird der unsichtbare Teil Sôngsang und der sichtbare Teil Hyôngsang genannt. Wenn wir von Gottes Sôngsang und Hyôngsang sprechen, werden die Begriffe ursprüngliches Sôngsang und_ursprüngliches Hyôngsang_ verwendet. Sie sind die Ursache der gesamten Schöpfung. Das ursprüngliche Sôngsang ist die Ursache von allem was immateriell und funktional ist. Das ursprüngliche Hyôngsang lasst sich als Prä-Energie beschrieben, aus der letztlich die physikalische Energie und Materie entstehen kann.

Sôngsang lässt sich in das innere Sôngsang und das innere Hyôngsang unterteilen. Zum inneren Sôngsang gehören Intellekt, Vernunft und Emotion, während zum inneren Hyôngsang Ideen, Konzepte und (Natur-)Gesetze gehören. Ein besseres Verständnis der Begriffe erhält man, wenn man sich das innere Sôngsang als den denkenden Teil (die Funktion) und das innere Hyôngsang als das Gedachte (das Produkt) vorstellt. Das innere Hyôngsang ist nicht greifbar und besteht nicht aus Materie, denn es ein Teil vom Sôngsang. Man kann sich jedoch Ideen und Konzepte mit Bildern vorstellen, haben also in gewisser Weise eine Form.

Es könnte der Eindruck entstehen, dass Sôngsang und Hyôngsang zwei unabhängige Teile sind. Die Vereinigungsphilosophie geht davon aus, dass Beide eng miteinander verknüpft sind. Wären sie völlig unabhängig voneinander, so müsste man sich fragen, inwieweit man auf Eigenschaften vom Sôngsang schließen kann, indem wir nur die materielle Welt erkunden. Im täglichen Leben erfahren wir allerdings, dass wir durch unsere Sinne die materielle Welt erleben und unser Intellekt durchaus in der Lage ist, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten aus der Interaktion der materiellen Welt abzuleiten. Auch unser Vorhaben, den unsichtbaren Gott näher kennenzulernen, indem wir seine sichtbare Schöpfung studieren, müsste infrage gestellt werden, wenn Sôngsang und Hyônsang vollständing voneinander getrennt wären.